IT-Security Regulatory Update | August 2023

Fokus: Big Tech in der Versicherungsbranche, Versicherungen und neue Herausforderungen sowie Stresstest-Ergebnisse

Highlight aus dem August 2023

FSI betrachtet den Einstieg von Big Tech in die Versicherungsbranche 

Das Financial Stability Institute (FSI) der Bank of International Settlements (BIS) wirft einen Blick auf die sich ergebenden Risiken und eine möglicherweise notwendige Regulierung. 

 

Pia Streicher

„Bleiben Sie mit unserem monatlichen Update rund um die Regulatorik zum IT Security Management auf dem Laufenden!“

Big Tech steigt zunehmend in die Versicherungsbranche ein

In einem Paper betrachtet das Financial Stability Institute (FSI) der Bank for International Settlements (BIS) den wachsenden Einzug von Big Techs in die Versicherungsbranche. Zu diesem Zweck wurden von den Autoren insbesondere öffentlich verfügbare Informationen von 18 Big Techs aus 14 Jurisdiktionen herangezogen.

Im Rahmen der Wertschöpfungskette ergeben sich für sog. Big Techs viele Möglichkeiten, in den Versicherungsmarkt einzusteigen. Anhand ihrer technologischen Vorsprungs und ihres Zugangs zu großen Datenmengen, können sie an diversen Stellen für Versicheurngsunternehmen oder als Versicherungsunternehmen aktiv werden, wie bspw. dem Produktdesign, Marketing und Sales, dem Anspruchsmanagement sowie bei Post-Sale Aktivitäten. Sie treten vor allem als Risikoträger, Underwriter und Dienstleister auf.

In den ersten beiden Fällen sind die Big Techs selbst reguliert bzw. unterfallen der Versicherungsregulierung qua Geschäftsmodell. Sie sind dann entweder selbst als aktuell kleine Versicherungsunternehmen mit Wachstumsplänen aktiv oder halten einen großen Anteil an einem existierenden Versicherungsunternehmen. Die als Versicherungsvermittler tätigen Big Techs verfügen ebenfalls weitestgehend über Lizenzen und implementieren diesen Service in die Customer Journey bereits existierender Produkte ihrer Firmen oder vertreiben diverse Versicherungsprodukte.

Mit Abstand am prägendsten ist aber der Beitrag von Big Techs als Dienstleister für Versicherungsunternehmen. Hier bieten sie vor allem in den Sektoren Technologie, Daten, Gesundheitswesen oder Marketing ihre Unterstützung an. Dabei sind sie – Stand heute – selbst nicht aktiv reguliert.

Vor einem hellblauen Hintergrund sind ein graphisch dargestelltes Handydisplay und ein Laptop nebeneinander abgebildet. Auf beiden Bildschirmen sind verschiedene Datengraphen zu sehen.

Allen Aktivitäten der Big Techs ist gemein, dass die ggf. auf sie zutreffende Regulierung nicht spezifisch für sie gemacht wurde und daher nicht alle auftretenden Konstellationen und Risiken berücksichtigt. Hier seien insbesondere die mögliche Geschwindigkeit der Verbreitung von unangemessenen Verkaufsaktivtäten und Unklarheiten in der Verantwortung der verschiedenen Beteiligten genannt. In den verschiedenen Jurisdiktionen gibt es dazu verschiedene Ansätze, von Verhaltensregeln über Leitlinien sowie künftig unter DORA angesichts ihrer digitalen operationalen Resilienz.

Um der zunehmenden Aktivität von Big Techs in der Versicherungsbranche zu begegnen, erwägen die Autoren eine auf sie zugeschnittene Regulierung, die besser geeignet ist, spezifische Risiken zu adressieren. Dabei steht auch die Notwendigkeit einheitlicher Regulierung über Landesgrenzen hinweg im Fokus, um blinde Flecken zu vermeiden. In der Zwischenzeit empfehlen die Autoren eine fortgesetzte, aktive Überwachung der Aktivitäten von Big Techs, um Risiken und negative Entwicklungen in Schach zu halten. In diesem Kontext wird insbesondere die zunehmende Komplexität und wachsende Konzentrationsrisiken als Herausforderung gesehen.

Den Artikel des FSI finden Sie hier auf der Webseite der BIS.

Quelle: Bank for International Settlements – bis.org

Die Versicherungsbranche im Umgang mit neuen Herausforderungen

Ende August fand die Jahreskonferenz für Versicherungsaufsicht der BaFin statt. Diese stand ganz im Zeichen neuer Herausforderungen und Aufgaben für die Branche. Beispielhaft werden hier die Digitalisierung, der Umgang mit dem Klimawandel und einem veränderten Konsumverhalten genannt. Die BaFin blickt in einer Pressemitteilung auf die Veranstaltung und den Beitrag des BaFin Exekutivdirektors zurück.

Grundsätzlich sei die Versicherungswirtschaft gut auf den Umgang mit neuen Themen eingestellt und entwickle sich seit vielen Jahren erfolgreich weiter, müsse aber am Ball bleiben. Vor allem im Hinblick auf die technische Weiterentwicklung sieht er hier großes Potential, aber auch große Risiken. Dementsprechend müsse die Branche ihr Vorgehen regelmäßig kritisch beleuchten und anpassen. Dabei solle man sich nicht nur auf etablierte Lösungsansätze verlassen, sondern aktiv neue Ansätze suchen und verfolgen – ein Prozess, den die Aufsicht zu begleiten gedenkt.

Grundsätzlich sei die Branche, aber auch die deutsche Aufsicht stark. Daneben brauche es aber Versicherungsanbieter, die kundenorientierte Lösungen zu gerechten Preisen anbieten. Dabei können man den Markt nicht sich selbst überlassen. Ziel soll es also sein, den erfolgreichen Weg der Versicherungswirtschaft weiterzugehen, sich dabei aber nicht vor neuen Entwicklungen zu verschließen.

Die Pressemitteilung der BaFin finden Sie hier.

Quelle: © Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht / www.bafin.de

Stresstests zeigt ausreichend kapitalisierte Banken in Deutschland

Im August hat die EBA ihre Stresstest-Ergebnisse veröffentlicht – mit positiven Nachrichten für deutsche Banken.

Dem europäischen Stresstest haben sich 70 Banken aus 16 Ländern unterworfen. Insgesamt sind die europäischen Banken auch in einem ungünstigen Szenario, das eine schwere Rezession in der EU und weltweit, steigende Zinssätze und höhere Kreditspreads simuliert, widerstandsfähig. Das spiegelt eine solide Kapitalposition am Anfang des Stresstests wider, sodass das schrumpfende Kapital im ungünstigen Szenario leichter zu verkraften ist. Europäische Banken sind demnach ausreichend kapitalisiert, um auch hohe Belastungen tragen zu können.

Die BaFin betrachtet den Stresstest aus deutscher Perspektive, 14 deutsche Institute waren im Test vertreten. Auch aus der spezifischen Betrachtung dieser Institute steht die Branche gut da. Deutsche Banken sind demnach robust und grundsätzlich in der Lage, einen bedeutenden Wirtschaftsabschwung mit hoher Inflation zu verkraften. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung sieht die Aufsicht dies als positive Nachricht. 

Sowohl EBA als auch BaFin betonen aber, dass sich die Branche ein Ausruhen auf diesen Ergebnissen nicht erlauben kann. Die aktuelle wirtschaftliche Lage ist und bleibt angespannt, Banken und Aufsichtsbehörden müssen wachsam bleiben und auf eine mögliche Verschlechterung vorbereitet sein.

Institute, die besonders unter dem Szenario gezittert haben, werden von der Aufsicht stärker fokussiert werden, um auch hier eine solide Resilienz sicherzustellen.

Den Artikel der BaFin finden Sie hier, den Report der EBA finden Sie hier.

Quelle: © Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht / www.bafin.de und European Banking Authority – EBA, eba.europa.eu

Die Digitalisierung und die steigende Nutzung neuer Technologien macht auch vor der Versicherungsbranche nicht Halt. Die Überlegung der BIS, Big Tech zu regulieren ist ein Ansatz, den wir in Europa teilweise schon in Umsetzung sehen.

Mit DORA werden systemisch relevante Dienstleister einer Aufsicht „light“ unterstellt und auch das deutsche Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz hat Dienstleister im Visier. 

Bei ADWEKO verfolgen wir diese und andere regulatorische Trends aufmerksam und freuen uns, unsere Kunden bei diesen und anderen spannenden Entwicklungen zu begleiten.

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Pia Streicher!

Pia Streicher